Kartoffeln aus dem eigenen Garten

Kartoffeln aus dem eigenen Garten

Hausgärtner kennen die besondere Lust der Kartoffelernte. Mit Spannung wird die sommerlich- geschlossene Bodendecke aufgebrochen. Dem gut gepflegten, lebendigen Boden, entströmt in diesem Moment ein Duft, der die Einzigartigkeit dieses Standortes in ganz besonderer Weise widerspiegelt. Die Freude über jedes der goldgelben Fundstücke könnte jetzt nicht größer sein. Nicht nur die Kinder staunen über das, was sich im Verborgenen, scheinbar ganz ohne unser Zutun vollzogen hat. Dankbarkeit und Stolz erfüllen jetzt jedes Gärtnerherz. Es sind zwar "nur" Kartoffeln, aber sie sind dennoch einzigartig und mit nichts zu vergleichen. Es gibt genügend Gründe, selber ein paar Kartoffeln zu Pflanzen.

Der richtige Boden für den Kartoffelanbau

Kartoffeln bevorzugen einen lockeren und abgetrockneten, warmen Boden. Sandböden und sandige Lehmböden sind also besonders gut geeignet, wie auch z.B. schieferige oder anmoorige Böden, wenn für eine gleichmäßige Wasserversorgung ebenso wie für Wasserabzug gesorgt ist.

Die größten Probleme bereiten schwere Böden mit einer Tendenz zu Staunässe. Sie können noch am ehesten durch starke Kompostgaben, eventuell auch durch Einbringen von Sand sowie durch ausreichend tiefes Umgraben im Herbst mit anschließender Frostgare oder entsprechend tiefwurzelnde Vorfrüchte kartoffeltauglich gemacht werden.

Langfristig ist immer der Aufbau eines humosen, lebendigen Bodens anzustreben, der eine stabile Krümmelstruktur aufweist und so dem Verschlämmen und der Staunässe vorbeugt.

Fruchtwechsel beachten

Generell sollten Kartoffeln nur alle 4 Jahre am gleichen Standort angebaut werden. Tomaten leiden jedoch unter denselben Krankheiten und müssen bei der Fruchtfolge mit berücksichtigt werden. Bei der Düngung ist zu beachten, dass die Kartoffel zwar einen nährstoffreichen Boden bevorzugt, aber empfindlich auf Überdüngung reagiert. Krankheitsanfälligkeit, Lagerung und Geschmack werden nachteilig beeinflusst. Stallmist oder besser noch reifer Kompost werden möglichst bereits im Vorjahr in den Boden eingearbeitet. Eine Kalkung ist nicht zu empfehlen, denn die Kartoffeln bevorzugt eher einen leicht sauren Boden. Zu Empfehlen ist eine Gründüngung als Vorfrucht. Leguminosen (also Stickstoffsammler) wie Klee, Bohnen, Erbsen, Wicken oder Lupinen sind gut und können z.B. Mit Ölrettich gemischt ausgesät werden. Zusammen reichern sie den Boden mit Stickstoff an, transportieren aus unteren Bodenschichten Nährstoffe nach oben und sorgen mit der Durchwurzelung für einen lockeren und erosionsgeschützten Boden. Die Pflanzen frieren über Winter kaputt und lassen sich dann im Frühjahr leicht einarbeiten.

Pflanzkartoffeln oder Speisekartoffeln

Das Kartoffelpflanzgut sollte in jedem Fall gut ausgewählt sein und wenn möglich zertifiziert sein d.h. von fachlich versierten Stellen auf wichtige Kartoffelkrankheiten untersucht worden sein. Sollte kein offizielles Pflanzgut zur Verfügung stehen, was bei zahlreichen alten Kartoffelsorten und Raritäten meist der Fall ist, sollte das Pflanzgut zumindest jedoch von professionellen Betrieben bezogen werden, die z.B. selber auch zertifiziertes Saatgut produzieren oder das eigene Pflanzgut ebenfalls verwenden, nachdem sie es vorher haben untersuchen lassen. Dieser Nachbau aus der eigenen Ernte ist in den meisten Fällen (wenn Ertrag und Pflanzengesundheit im Erntejahr erkennbar gut waren) durchaus möglich und auch bei Profis 2-3 mal üblich. Nicht jeder Landwirt kann und möchte jedes Jahr neues Pflanzgut kaufen.

Achtung Keimhemmer !

Wichtig ist auch, dass die Kartoffeln nicht mit Keimhemmern behandelt wurden. Dies lässt sich am einfachsten durch den Bezug aus kontrolliert biologischem Anbau gewährleisten, in dem diese chemischen Mittel nicht zugelassen sind. Vorsicht auch vor gewaschenen Kartoffeln. Aufgrund der fehlenden Schutzschicht durch die Erde sind diese Speisekartoffeln nach der Aufhäufiger mit Keimhemmern oder Pilzhemmern behandelt und zudem empfindlicher gegen Pflanzenkrankheiten.

Kleinere Pflanzkartoffeln mit weniger Augen setzen insgesamt weniger Kartoffeln an und empfehlen sich bei ertragsschwächeren Sorten um später nicht zu viele kleine Knollen zu ernten. Das Halbieren von größeren Kartoffeln um die Augen herum sollte rechtzeitig vor dem Keimen bei 10 Grad Celsius durchgeführt werden, damit die Wunde verkorkt und geschützt ist.

die Auswahl der richtigen Kartoffelsorte

Bei der Auswahl der richtigen Kartoffelsorte ist zunächst auf die gewünschte Kocheigenschaften und Erntezeitpunkt zu achten, wobei Vorkeimung, Klima und Anbau beides beeinflussen. Gerade die alten und traditionellen Kartoffelsorten bieten eine heute kaum noch bekannte Geschmacksvielfalt. Wird der Boden zurückhaltend und vorwiegend organisch gedüngt, so bleiben die Erträge zwar niedriger, aber die Kartoffeln werden in der Regel ein stärkeres Eigenaroma entwickeln und sich auf der Suche nach Nährstoffen aktiv mehr von den Aromaqualitäten des Bodens aneignen. Wie beim Wein ist der Vielfalt an Konsistenzen und Aromen keine Grenze gesetzt, wenn man die Pflanzen nicht mit Kunstdünger quasi "direkt ernährt", sondern den Boden und damit die Pflanzen so pflegt und verlebendigt, dass Aromen sich optimal entwickeln können und erschlossen werden. Gerade Grenzlagen, bringen so oft die Spitzenqualitäten hervor.

Kartoffeln vorkeimen

Es empfiehlt sich zudem die Setzkartoffeln ca. 4 Wochen vor dem Pflanzen vorzukeimen, wodurch die Kartoffeln einen Vegetationsvorsprung von ca. 2 Wochen haben. Sie haben nach Einsetzen der Krautfäule dickere Knollen als die nicht Vorgekeimten. Die Knollen können im Gewächshaus oder in kleineren Mengen auf der Fensterbank bei ca. 15 Grad Celsius vorgekeimt werden. Hierbei werden die Keime grün und dick und brechen beim Pflanzen nicht so leicht ab.

Zeitpunkt und richtiger Abstand beim Pflanzen von Kartoffeln

Zum Pflanzen brauchen die Kartoffeln im Frühjahr (je nach Temperatur und Frostgefahr Ende März bis Anfang Mai) einen abgetrockneten und lockeren Boden mit einer Temperatur von mindestens 7 Grad Celsius für vorgekeimte und 10 Grad Celsius für nicht vorgekeimte Kartoffeln. Dann werden die Kartoffeln in einer Reihe etwa 7 cm tief (doppelte Knollendicke tief) und mit einem Abstand von 25 -40 cm (je nach Dicke der Knolle) mit dem Keim nach oben gepflanzt. Der Abstand der Reihen sollte dann je nach Möglichkeit zwischen 60 und 70 cm liegen.

Kartoffeln Anhäufeln oder Mulchen?

Später je nach Entwicklung sollten die Kartoffeln mehrmals etwas mit Erde angehäufelt werden, um die Tochterknollen durch das Sonnenlicht nicht grün werden zu lassen. Gleichzeitig werden die wild lebenden Ackerkräuter unterdrückt, was aber nach Bedarf mit der Handhacke unterstützt werden kann. Zwischen den Reihen können später z.B. Bohnen oder andere Pflanzen gesät werde, dies kann fördernd für die Kartoffeln sein. Die Kartoffel braucht zum Wachsen ausreichend Wasser im Boden, also in einem trockenen Sommer und je nach Standort eine Bewässerung. Gelegentlich werden auch statt Anhäufeln erfolgreich starke Schichten von Laub, Stroh oder in sehr trockenen Lagen auch Holzkohle verwendet und dabei mit wenig Pflegeaufwand zum Teil hervorragende Ergenisse erzielt. Interessant sind auch die populären Pflanzungen in Töpfe oder Ringe, bei denen paralell zum Pflanzenwachstum regelmäßig rund um die wachsende Pflanze Erde nachgefüllt wird, was zu zusätzlichen Knollenansätzen und großen Ernten auf kleinstem Raum führen kann.

Informationen und Tricks rund um den Anbau von traditionellen Kartoffelsorten

 

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